Kugelgewindemuttern auf hundertstel Millimeter genau
Bei der Fertigung von Kugelgewindemuttern entscheiden Hundertstel über Funktion oder Ausschuss. Die Toleranzen zwischen Gewindegang und Umlenksystem sind eine der anspruchsvollsten Aufgaben in der Präzisionsbearbeitung – und gleichzeitig eine, die sich durch keinen Kompromiss beim Werkzeug oder bei der Maschine lösen lässt. Wer hier produziert, braucht Stabilität, Wiederholgenauigkeit und ein System, dem er auch bei unbemanntem Betrieb vertraut.
Genau das war der Ausgangspunkt für unsere Investition in eine weitere MILLTURN-Maschine von WFL – diesmal die M30-G, mit vollständiger Automatisierung und Speicherturm.
Was Kugelgewindemuttern so anspruchsvoll macht
Eine Kugelgewindemutter ist kein Massenbauteil – auch wenn sie in großen Serien gefertigt wird. Die Anforderungen an Geometrie und Oberflächengenauigkeit sind hoch: Außenkontur, Durchgangsbohrung, Gewindeschneiden, Taschenfräsen, Entgraten, Umlenksystem, Bohrungen für Anschlüsse und Schmieranschlüsse – all das in einem Ablauf über mehrere Lager, mit Toleranzen von ± hundertstel Millimeter.
Werkstoffe wie 100CrMo7 für Standardanwendungen oder rostfreier 1.4112 für die Lebensmittelindustrie stellen dabei zusätzliche Anforderungen an Schnittparameter und Prozessstabilität. Fehler, die sich einschleichen, lassen sich nicht nachträglich korrigieren – sie führen direkt zu Ausschuss.
Warum die Entscheidung erneut auf WFL fiel
Seit 2021 betreiben wir eine M40 MILLTURN von WFL – und die Erfahrung aus diesen Jahren hat die Entscheidung für die M30-G wesentlich mitgeprägt. Komplexe Gewindeprofile, enge Toleranzen, stabile Prozesse – auch bei Werkzeugen, die auf anderen Maschinen nicht zuverlässig liefen.
Hinzu kam ein struktureller Vorteil: Maschine und Automation aus einer Hand. Ein Ansprechpartner, ein durchgängiges System, ein klar definierter Verantwortungsbereich. Das reduziert nicht nur Integrationsaufwand, sondern auch Risiken im laufenden Betrieb.
Bild: Joshua Rzepka; WFL M30 mit Automatisierung
Automatisierung, die auch Losgrößen von einem Stück rentabel macht
Wir fertigen überwiegend Losgrößen zwischen zehn und 15 Kugelgewindemuttern – eine Größenordnung, bei der Automatisierung klassisch und unwirtschaftlich gilt. Die M30-G zeigt, dass das nicht stimmen muss.
Bild: Joshua Rzepka; Kardex Speicherturm
Der integrierte Kardex-Speicherturm fasst auf 28 Tablaren bis zu 300 Werkstücke. In Kombination mit dem Knickarmroboter, der die Teile entnimmt und neues Rohmaterial einlegt, lässt sich der gesamte Bearbeitungsprozess – ab Stückzahl eins – vollständig automatisiert abwickeln. Bis zu 21 Stunden autonome Produktion sind dabei keine Ausnahme, sondern Realität: An einem Freitagabend gestartet, lief die Anlage bis Samstagmittag unbeaufsichtigt durch.
Was das in Zahlen bedeutet: Bei 600 gefertigten Teilen entstanden sechs Ausschussteile. Eine Quote, die für sich spricht.
Was die Automatisierung für unsere Belegschaft bedeutet
Automatisierung verändert die Arbeit – aber sie ersetzt sie nicht. Die Bediener, die die M30-G betreuen, haben durch den reduzierten Rüstaufwand Kapazitäten gewonnen, die sie für andere Maschinen und Prozesse einsetzen. Planung, Qualitätssicherung, Prozessoptimierung – Aufgaben, die Fachwissen erfordern und die manuelle Einzelteilbearbeitung kaum zulässt.
Für uns bedeutet Automatisierung deshalb nicht in erster Linie Personalabbau, sondern Stabilität: die Fähigkeit, trotz begrenzter Personalressourcen konstant hohe Qualität zu liefern – und dabei als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.
Ein Kreislauf, der uns besonders freut
Ein Detail am Rande, das die Partnerschaft mit WFL besonders greifbar macht: Kugelgewindetriebe, die wir fertigen, finden sich in WFL-Maschinen wieder – zuletzt in der M200 MILLTURN. Diese Spindeln sind mit einer speziell angepassten Steigung ausgelegt, die ein größeres Kugelgewindeprofil ermöglicht und so höhere Axiallasten bei kompaktem Bauraum aufnimmt.
Die Maschine, auf der unsere Kugelgewindemuttern entstehen, wird also selbst von unseren Kugelgewindetrieben bewegt. Ein Kreislauf, der zeigt, wie eng Präzision und Partnerschaft in diesem Geschäft zusammenhängen.
Ergebnisse, die für sich sprechen
Sechs Ausschussteile bei 600 gefertigten Muttern, 21 Stunden autonome Produktion, Losgrößen ab einem Stück – vollständig automatisiert. Mit der Kombination aus MILLTURN-Technologie, durchdachter Automation und einem Partnerschaftsmodell, in das Erfahrungen beider Seiten einfließen, konnten wir unsere Fertigung auf ein neues Niveau bringen.
Bild: Joshua Rzepka; Roboter-Greifarm beim Bedienen der WFL M30