Lexikon Kammerer Gewinde

Tieflochbohrung

Eine Tieflochbohrung ist eine Bohrung, deren Tiefe deutlich größer ist als ihr Durchmesser – typischerweise ab einem Tiefen-Durchmesser-Verhältnis von etwa 5:1 oder mehr. Solche Bohrungen werden oft axial in Spindeln, Wellen oder Muttern angebracht, z. B. zur Schmierstoffzufuhr, Gewichtsreduzierung oder für technische Leistungen.

Bedeutung

  • Gewicht und Massenträgheit von Bauteilen: längere Achsen werden leichter
  • Biege- und Knicksteifigkeit: Zu große Bohrungen können die Stabilität reduzieren
  • Schmierstoffführung: Zentrale Bohrungen ermöglichen gezielte Schmierung entlang der Spindel
  • Integration von Medien oder Leitungen: Öl, Kühlmittel, Druckluft oder Sensorleitung

Technische Aspekte

  • Tieflochbohrungen werden meist mit Spezialwerkzeugen wie Tieflochbohrstangen, BTA- oder Ejektor-Bohrverfahren hergestellt.
  • Die Bohrungsqualität ist kritisch: Rundheit, Oberflächenrauheit und gerader Bohrungsverlauf beeinflussen Funktion und Verschleiß.
  • Durchmesser und Lage müssen so gewählt werden, dass Festigkeit und Steifigkeit der Spindel nicht unzulässig reduziert werden.

Praxisrelevanz

  • Besonders wichtig bei langen Spindeln in CNC-Maschinen oder Kugelgewindetrieben, wo Gewichtsreduzierung und Schmierung entscheidend sind.
  • Verwendet auch in Medizintechnik, Hydrauliksystemen und Werkzeugbau für präzise axial verlaufende Kanäle.
  • Grundlage für dimensionale Berechnungen, Knickkraft und Lebensdauer der Spindel.